Veranstaltung: Konzert „Meisterwerke aus der Romantik“ des nordniederländischen Orchesters (Noord Nederlands Orkest) unter Leitung von Michal Nesterowicz
Mit: Harriët Krijgh (Cello)
Programm: Mendelssohn, Das Märchen von der schönen Melusine (Ouvertüre); Saint-Saëns, Cellokonzert Nr. 1, Tschaikowsky, 5. Sinfonie („Schicksal“) Gehört: Am 27.10. De Oosterpoort, Groningen Publikum: 980

Wer auch nur irgendwie die Gelegenheit dazu hat, muss heute Abend in Leeuwarden Harriët Krijgh hören. Am Donnerstag spielte sie in Groningen das Erste Cellokonzert von Saint-Saëns so unglaublich prächtig, dass einem die Tränen kamen. Das kam nicht nur durch den übergroßen Gefühlsausdruck, den es in diesem berühmten Konzert zuhauf gibt, sondern vor allem durch die Stille dazwischen.

Krijgh phrasierte mit großer Kraft und zarter Musikalität zwischen den offensichtlichen Höhepunkten durch. Sie suchte in ihrem Spiel nicht den großen romantischen Ton sondern die Geschichte der Musik. Das machte ihr Spiel bis in die kleinsten Pianissimos durch Ergiebigkeit prächtig. Nichts steht ihr im Weg, wenn sie Musik macht, auch das Orchester nicht, das sie doch manchmal in ihrem subtilen Bogenspiel überstimmte. Die Intensität ihres Klangs und das fabelhafte Glissando, womit sie zum letzten Mal zum ersten Thema zurückkehrte, waren von reiner Schönheit. Wehmut war auch dabei, nämlich bei der Sarabande aus Bachs erster Cellosuite, die sie als Zugabe spielte. Bei so einem musikalischen Ideenreichtum, der spontan aus einer tiefen Quelle hervorzusprudeln scheint, denkt man an Jacqueline Dupré, auch wenn man das natürlich nicht sagen darf. Nicht nur darum – Krijgh hat die gleiche unmögliche Mischung aus irdisch und ephemer in ihrer Ausstrahlung, die gleichen anmutigen, mühlenflügelartigen Bewegungen der Arme, und das Gesicht ist auch während des Spielens zuhörend schräg angehoben.

Nach diesem ganz besonderen Ereignis konnte nichts unseren Abend noch verderben. (…)

Minke Muilwijk

Dagblad van het Noorden (The Netherlands) October 29 th 2016